Eine Begegnung

Ich habe im Park auf der Bank gesessen,
alleine, verträumt, meine Sorgen vergessen.
Da sprach mich ein junges Mädchen an,
setzt sich zu mir und sagte sodann.

 Ich kenne Sie nicht darf ich trotzdem erzählen,
welche Gedanken mich heute so quälen?
Ich war ganz erstaunt und sagte nur ja,
erst wollt ich gehen, doch nun blieb ich da.

 Sie fing an zu weinen und schluchzte laut los,
ich weiß nicht mehr weiter, was mach ich denn bloß.
Ich wollt morgen heiraten, doch ich kann es nicht mehr,
mein Freund ist cholerisch und er schlägt mich so sehr.

 In mir kam der Zorn hoch, ich hasste den Mann,
der sich soweit vergisst und sagte ihr dann.
Ich kenne Sie auch nicht, doch ich kann Ihnen raten
ihn niemals zu heiraten, sondern lieber zu warten.

 Er hat mir versprochen, es kommt nie mehr vor,
sagte sie leis’ und holt sein Bild dann hervor.
Auf dem lächelte ein junger Mann mich an,
er sah aus, als wenn er sehr lieb sein kann.

 Sie weinte noch immer, ich kochte vor Zorn,
sie war so hilflos und  traurig  und auch so verlor’n.
Ich hab’ sie getröstet und sagte ihr dann,
tu Dir den Gefallen, lass laufen den Mann.

 Und wenn er den Himmel auf Erden verspricht,
er ist und er bleibt, ein erbärmlicher Wicht.
Auch wenn es erst weh tut, das wird bald vergehn,
es gibt Bessere, glaub mir, das wirst Du schon sehn.

 Ob sie es getan hat, ich kann es nicht sagen,
seitdem beschleichen mich öfter die Fragen.
Hat sie Mut und Kraft zusammen genommen
und rechtzeitig zur Besinnung gekommen?

 Tilda©